komba gewerkschaft köln
Fachgewerkschaft dbb beamtenbund und tarifunion

Olaf Schippers
Vertreter SBV Dez. OB/I/II/III
olaf.schippers@stadt-koeln.de
221-30 438  

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An die komba Mitglieder und an alle, die es noch werden wollen

Heute widme ich mich dem Thema ‚‘‘ Wandel in der Arbeitswelt unter dem Aspekt der Digitalisierung‘‘.

In der Zeitschrift für Personalräte, kurz ZfPR 1 habe ich in der Ausgabe 2/2018 einen sehr interessanten Beitrag gelesen. Der Artikel stand unter der Überschrift

Flexibel, mobil, selbstbestimmt – gesund?
Der Personalrat als Promotor des Gesundheits- und Arbeitsschutzes

Die Digitalisierung in der Arbeitswelt erhitzt die Gemüter, da sie sowohl Segen als auch Fluch sein kann. Mit der Digitalisierung kommt die Frage auf, welche Art der Arbeitsorganisation dafür sorgen könnte, dass sowohl Arbeitgeber und als auch die Beschäftigten gleichermaßen von den Neuerungen profitieren, also eine sog. Win vs. Win Situation für beide Seiten erzeugt.

Die Chancen der Digitalisierung liegen in den Tätigkeiten mit hoher Eigenverantwortung und Autonomie, das heißt selbstbestimmt, konzentriert und ungestört arbeiten zu können, wann und wo ich will. Fahrtwege werden eingespart, was eine freie Zeiteinteilung mit sich bringt. Das Gut Freizeit gewinnt noch mehr an Bedeutung, da sich die Möglichkeiten der Regeneration des Leistungsvermögens erhöhen können. Letztendlich führt dies zur Verbesserung der Lebensqualität. Das Arbeitsmodell des mobilen Arbeitens birgt aber auch Gefahren in sich. Die Beachtung des Arbeitsschutzes darf nicht außer Acht gelassen werden. Konkret bedeutet dies, dass die Umsetzung der gesundheitsschützenden Standards sicherzustellen ist. Hier ist der Personalrat ein wichtiges Instrument zur Umsetzung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes. Bei der Schaffung neuer bzw. bei der Umgestaltung vorhandener Arbeitsplätze ist der Personalrat aktiv in diesen Prozess einzubinden. Unter Nutzung aller ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen und Möglichkeiten obliegt ihm hier eine wichtige Funktion als sog. Promotor.

Andererseits führt die Technikentwicklung zu einer Arbeitsverdichtung und somit auch zur Entgrenzung der Arbeitszeit. Hier gilt die besondere Aufmerksamkeit den Vorgesetzten, die dafür Rechnung tragen müssen, dass die gesetzlichen Arbeitszeitschutzvorschriften eingehalten werden, aber auch den Mitarbeitern obliegt mehr Eigenverantwortung. Dies stellt natürlich auch hohe Anforderungen an die Vorgesetzten, sich mit diesen neuen Arbeitsrahmenbedingungen auseinander zusetzen. Besonders in den Fällen des mobilen Arbeitens, da die Erbringung der Arbeitsleistung nicht mehr im Büro erfolgt, sondern außerhalb. Gewerkschaften, Personalräte und andere interne und externe Institutionen sind hier gefragt. Gemeinsam muss nach Lösungen gesucht werden, damit die Digitalisierung nicht zum Fluch wird. Informationsveranstaltungen im Zuge des Gesundheitsmanagement müssen ebenso auf der Tagesordnung stehen, wie Aufklärung und Unterstützung auf allen Kommunikationsebenen und durch alle Informationskanäle. Damit die enorme Herausforderung gemeistert werden kann, müssen alle Beteiligten eng zusammenarbeiten.

Die Leistungsanforderungen am Arbeitsplatz, das Vorgesetztenverhalten, eine realistische Planung der Personalkapazitäten und ein kreativförderndes Arbeitsumfeld gelten als wichtigste Parameter für die Gesundheitsförderung. Um diese Anforderungen zu meistern, ist die Digitalisierung ein sehr kompetentes Instrument, was aber allein die neuen Strukturen und deren Probleme in der Arbeitswelt nicht lösen kann.

Hier ein paar praxisbezogene Informationen, um die o. g. Ausführungen zu untermauern.

Aus dem BKK Gesundheitsreport 2017 2 gehen interessante Fakten hervor, wie z. B.

  • durch die Digitalisierung Aufgaben schneller sowie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen
    (ca. 40 % der Befragten)
  • durch die Digitalisierung entstehen Überbelastung und das Gefühl, ausgebrannt zu sein (ca. 20 % der Befragten)
  • Erledigung von Arbeiten in der Freizeit (ca. 30 % der Befragten)
  • die größere Anzahl der Befragten befürchten durch die Digitalisierung den Wegfall von Arbeitsplätzen
  • ein Großteil der Befragten sieht keine erhöhte Gefährdung ihrer Gesundheit durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt, aber die Skepsis ist besonders hoch im Bereich der psychischen Belastung und deren Folgen und Auswirkungen am Arbeitsplatz

Fazit

Sprecht Euren Personalrat und Eure Gewerkschaftsvertreter zu diesem Thema an. Nur miteinander können die Probleme angegangen und nach Lösungen gesucht werden. Es gibt noch viel zu tun, lasst es uns gemeinsam angehen. Die Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen

1 ZfPR Zeitschrift für Personalräte 2/2018

2 Knieps F / Pfaff H (Hrsg.) “ Digitale Arbeit – Digitale Gesundheit “ BKK Gesundheitsreport 2017 Copyright MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft und BKK Dachverband e.V. 

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Erfahrungsbericht zum 4. Forum Behindertenpolitik

Vom 16.04-17.04.2018 in Berlin

Liebe komba Mitglieder,

am 16.-17. April 2018 habe ich am 4. Forum Behindertenpolitik teilgenommen. Unter dem Thema ,,Wandel der Arbeitswelt – alle an Bord ‘‘ hat der dbb beamtenbund und tarifunion ins dbb Forum nach Berlin eingeladen.
Schon der Programmflyer mit seinem reichhaltigen Angebot machte Hunger auf mehr. Wie schon bei den vorangegangen Veranstaltungen war auch diesmal wieder alles hervorragend organisiert und die Rednerbeiträger waren sehr wissenschaftlich ausgesucht. Es waren Themen wie

  • Chancen u. Herausforderungen der Digitalisierung für Menschen mit einer Einschränkung
  • Der Wandel der Arbeitswelt aus Sicht der Praxis
  • Demographischer Wandel-Fachkräftemangel-Inklusion! Potentiale u. Qualifizierung in einer digitalen Welt
  • Digitale Projekte für Menschen mit einer Einschränkung
  • Inklusion u. neue Arbeitsformen – ein Widerspruch
  • Bundesteilhabegesetz: Erste Bilanz
  • BTHG – nur ein erster Entwurf? Wie sind die weiteren Planungen

auf der Tagesordnung zu finden.

Viele Vorträge beinhalteten den Strukturwandel in der Arbeitswelt und gingen sehr detailliert auf die Chancen,
aber auch auf die Risiken ein. Einige Teilnehmer meldeten sich zu Wort und äußerten sich zu ihren Erfahrungen aus der Praxis. Speziell ging es um Mitarbeiter/Beschäftigte in Arbeitsbereichen mit einfach strukturierten Abläufen, die Angst vor der Digitalisierung haben, dass ihre Arbeitsplätze wegfallen könnten, weil Roboter bzw. technische Kreaturen ihren Arbeitsplatz einnehmen würden. Es wurde deutlich, dass trotz allem wissenschaftlichen Fortschritts der Mensch als Arbeitskraft nie vernachlässigt werden sollte. Mit der Digitalisierung entstehen auch neue Arbeitsplätze und somit auch Chancen, dass Menschen mit einer Einschränkung wieder am 1. Arbeitsmarkt Fuß fassen können.

Ein großes Thema war auch der demographische Wandel mit dem einhergehenden Fachkräftemangel. Für Menschen mit einer Einschränkung ist es schwerer möglich, einen Arbeitsplatz am 1. Arbeitsmarkt zu erhalten, als für Menschen ohne Einschränkungen. Oft ist es die Unsicherheit im Umgang mit Menschen, die eine Einschränkung haben. Hier gilt es speziell, die Barrieren in den Köpfen der Menschen ohne Einschränkung abzubauen. Mit den technischen Neuerungen ergeben sich neue Chancen für Menschen mit Handicap. Es gilt daran zu arbeiten, dass die Einstellung solcher Menschen mit Handicap erleichtert und das Abrufen von Mitteln jeglicher Art vereinfacht wird. Hier gibt es noch genug Luft nach oben. Im Zuge des Fachkräftemangels muss mehr Augenmerk auf die Menschen mit Handicap gelegt werden. Hier ruhen noch unendliche Potentiale, die es gilt, abzurufen.

Eine wurde auch klar, dass das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ein großer Schritt in die richtige Richtung ist. In den nächsten Monaten gilt es, die gemachten Erfahrungen zu bündeln und einige Details nach zu justieren bzw. an die gemachten praktischen Erfahrungen anzupassen.

Als Resümee kann ich feststellen, dass die Veranstaltung mir viele neue Ansatzpunkte für meine Tätigkeit als Vertreter der Schwerbehindertenvertretung aufgezeigt hat. Es gilt nun die neuen Erkenntnisse in meine praktische Arbeit einzubringen und anzuwenden. Wichtig ist für mich, dass diese praktischen Beispiele auch in der Gewerkschaftsarbeit eine wichtige Rolle spielen müssen. Denn nur die gelebten Erfahrungen bringen uns als Gewerkschaft in unserer täglichen Arbeit weiter voran.

Nur gemeinsam können wir als Gewerkschaft auch diesen Strukturwandel leben und aktiv mitgestalten. Ich denke, dass wir als komba für die kommenden Aufgaben im Strukturwandel der Arbeitswelt gut aufgestellt sind.
Bitte bringt Eure Erfahrungen und Erlebnisse aus der Praxis in die Arbeit der komba ein. Für Anregungen und Tipps stehe ich Euch gerne zur Verfügung.
Ihr erreicht mich unter olaf.schippers@stadt-koeln.de oder unter 0221-221-30438.

Mit kollegialem Gruß
Olaf Schippers